Dienstag, 12. Juli 2011

Klinikergebnisse Woche 4-7 und was danach noch kam...

Leider war die Kamera, mit der ich sonst die Photos hier mache, direkt nach meinem Klinikaufenthalt drei Wochen im Urlaub, daher jetzt ein kollektives Update der letzten sechs Wochen ;)

Das neue Unterkleid für meine Grabrekonstruktion nach Eltville - wunderbares Bauernleinen, das ich in einem der Tauschgeschäfte vor zwei Monaten für einen Gürtel bekommen hab :) Das Leinen reicht noch für ein zweites, die Zeit zur Zeit leider nicht... Wie man es von mir kennt, natürlich komplett handgenäht und extra stabil umgesäumt, damit das auch ja mindestens 5 Jahre hält *grins*

Die Körbe aus dem letzten Post haben mittlerweile einen wetterfesten Anstrich bekommen, damit sie auch verregnete Märkte unbeschadet überstehen...

Den wirklich letzten Rest des gräßlichen Pink (leider reichte die Mütze wohl nicht zur Vernichtung) habe ich in eine 11-Musterfaden-Borte verwandelt, die leider überhaupt nicht so geworden ist, wie ich es gern gehabt hätte...

 Mit dem Rest Ritterspornfärbung habe ich ein dreieckiges Schultertuch in einer °Asle/Dalarna-Variation begonnen...

Und dann ging, sobald ich zu Hause war, der Färbewahn los. (Alle folgenden Färbungen mit einer Kaltbeize aus essigsaurer Tonerde)

Zuerst der größenwahnsinnige Ansatz von 750g Krapp-Kaltfärbung. Zur Erinnerung: Die 500g beim letzten Mal gaben schon 800g Wolle in zwei Zügen. Darüber konnten die Mengen dieses Mal nur lachen...

Der erste Zug gab schon 600g, davon 200g dünnes Garn (333m/100g) und 400g von meinem Standardgarn (200m/100g). Wird vermutlich als Schultertuch und als Borten auf meinem neuen Kleid (siehe nächste Färbereihe) enden...

Der zweite und dritte Zug waren jeweils ein großes Knäul (noch nicht gewogen) Milchschaf-Kardenband zum Überfärben mit verschiedenen Gelbfärbern. Dazu ebenfalls später mehr und leider keine Zwischenphotos.

Der vierte Zug wollte mich verarschen und wurde plötzlich eher graubraun als rot... Auf dem Bild ein Knäul vom ersten Zug als Vergleich. Trotzdem eine sehr schöne Farbe, wird wohl vermutlich als Socken zu meiner Grabrekonstruktion enden. Insgesamt 200g des 8/4er "Standardgarns".

Der fünfte Zug wurde ähnlich wie der vierte, nur heller - weiterhin kein Zusammenhang mit Rot erkennbar, wieder 200g 8/4er. Danach war zwar immernoch Farbe im Sud (irgendwie nicht totzukriegen, das Zeuch), nach über zwei Wochen im Garten begann das Zeuch jedoch leider ziemlich unappetitlich zu riechen und lustige Inseln zu bilden, so dass ich dann lieber nix mehr nachgeworfen habe ;)

Während die Kaltfärbung so vor sich hin zog, flogen in den Heißfärbe-Kessel diverse andere Ansätze.

Meine erste Stofffärbung war ein voller Erfolg - richtig schöne, kräftige Farben (längst nicht so blass wie es auf dem Photo leider aussieht) und nahezu fleckenlos. Ganz leichtes Schleiertuch (ca 145g/m²) und eine Mischung aus frischem und getrocknetem Frauenmantel (beides aus dem Garten meiner Eltern zusammengeräubert), weil der getrocknete doch noch zu wenig für die geplante Stoffmenge war. Einen ca 40cm breiten Stoffstreifen habe ich gelb gelassen, der Rest wurde mit Eisensulfat zu einem hübschen olivgrün weiterentwickelt (ebenfalls ein "Erstlingswerk", bisher hatte ich ja nur mit Pottasche weiterentwickelt). Der Stoff ist bereits zugeschnitten und die Längsteile alle umgesäumt - das wird das Überkleid passend zum eingangs erwähnten Unterkleid.

In den Frauenmantel-Sud flogen danach der zweite Zug Krapp und ein weiteres, kleineres Stück weißes Milchschaf-Kardenband. Da die krappgefärbte Wolle nicht vorher gespült war, wurde beides irgendwie orange, das kleine allerdings etwas gelber.

Da die Wolle für's oben gezeigte Schultertuch lange nicht reichte, folgen nochmal 250g Wolle in ebenso viel Ritterspornblütensud. Jetzt kann's fleißig weiter gehen, farblich zum neuen Wollkleid passen tut das ganze nämlich erfreulicherweise auch noch!

Zu guter Letzt musste dann noch ein weiteres Experiment sein - die Brombeeren wucherten zu sehr, da mussten dringend 400g Blätter runter... *unschuldig pfeif*
200g Wolle waren darauf aber wohl leider etwas viel, daher gab es diesmal nur ein relativ helles Gelb. Das allerdings leuchtet so sehr, dass ich das Experiment auf jeden Fall nochmal wiederholen muss - ich denke, da lassen sich richtig knallige Farben erzielen... Auf jeden Fall etwas, was ganz oben mit auf meine Lieblings-Färbepflanzen-Liste kommt, gleich neben den Frauenmantel - beides richtig schöne Farben und sehr angenehm und schnell zu ernten. Kein Vergleich mit z.B. Rindenfärbungen, bei denen man stundenlang schält und dann immernoch erst 50g hat, die für nix ausreichen...

Alles in allem einige sehr konstuktive Wochen, die viel Spaß gemacht haben... Und wie immer noch kiloweise Projekte offen, langweilig wird es da glaube ich nicht so schnell werden!

Raka

Sonntag, 22. Mai 2011

Klinik-Ergebnisse, Teil 2, Woche 1-3

Hier mal ganz kurz und knapp ein Teil der Ergebnisse der ersten Wochen stationärer Reha...


Aus den Resten der Zauberspruch-Borte wurde ein neuer Gewandungsgürtel für mich - irgendwie bekommen die bei mir immer Beine, irgendwer kann sie jedes Mal besser gebrauchen als ich... Aber vielleicht bleibt ja dieser ausnahmsweise mal bei mir... wie gehabt Zunderschwamm- und Faulbaumfärbung mit 9 Musterfäden, diesmal halt ein schlichtes geometrisches Muster, das passt einfach besser zu mir...

Resteverwertung Teil 2: das Pink nervte mich. Rotholz vierter Zug und naturweiß, Dalby-Stich, noch nicht ganz fertig...


Resteverwertung Teil 3: Winter-Gewandungssocken für Sally. Sollten eigentlich warme Socken für meine Schwester werden, aber irgendwie wollten die dann doch größer als geplant... Finnischer Stich, zwei Töne Krappfärbung und die kleine Probe (25g) Quittenrindenfärbung.

Und welche Reha wäre vollständig ohne die obligatorischen Korbflecht-Kurse...
 Ein Korb für meine Borten, damit die nicht mehr planlos in der Gegend herumfliegen und sich städnig abrollen... Und ein Müllkorb für die Hiller-Märkte *grins*

So weit, so gut... Nicht auf den Bildern: 280cm reinweißer Gürtel (Auftragsarbeit), der schon bei seinem neuen Besitzer ist, zwei Halbschürzen aus Bauernleinen denen noch die Bänder fehlen, die momentan auf dem Kamm befindliche weiß-pinke Musterborte (11 Musterfäden) und der Anfang der Socken zu meiner Grabrekonstruktion nach Eltville. Bilder von diesen Projekten folgen in den nächsten Wochen...

Raka

WICHTIG! Schlechte Neuigkeiten...

Heute einmal eine sehr traurige Nachricht, die unsere Sommerplanung wohl maßgeblich mit beeinflusst...


Auf Grund eines Todesfalles entfällt in diesem Jahr höchstwahrscheinlich kurzfristig das Årletid!

Leider ist, wie erst heute bekannt wurde, der Besitzer des Veranstaltungsgeländes vor etwa zwei Monaten verstorben. Ursprünglich hätte sich dies nicht auf die Veranstaltung ausgewirkt, leider hat nun aber ein Anwohner, der sich seit Jahren gegen die Veranstaltung eingesetzt hat, das Gelände aufgekauft.


Ursprünglich sollte das Gelände erst nach der Veranstaltung verkauft werden, aber man weiß ja, wie das mit Geld und solchen Plänen ist... Der Käufer hat den Preis stark erhöht, unter der Bedingung, dass er die Wiesen vorher schon bekommt.


Zwar wird zur Zeit händeringend nach einem Ersatzgelände gesucht, zur Zeit sieht es jedoch relativ schlecht aus. Wenn jemand einen möglichen Ersatzveranstaltungsort (Raum südliches Dänemark) kennt, bitte SOFORT bei mir melden, damit ich es an Bjarne weiterleiten kann!


Raka

Dienstag, 26. April 2011

Ferdinands Zauberspruch

Ostern war mal wieder so ein richtig schön erholsamer Kurzurlaub bei Sally & Raka. Sommer, Sonne, gute Laune - lange Spaziergänge, ein Ausflug zur Atta-Höhle (wo es nicht nur tausende und abertausende Tropfsteine, sondern auch unglaublich leckeren Käse gibt - das Experiment "Atta-Höhle auf Krücken" wird aber nicht zwingend zur Nachahmung empfohlen!), jede Menge Brett- und Kartenspiele und zwischendrin irgendwo noch Bastelzeit.

Dabei ist nun endlich mal Sallys neuer Prunkmantel fertig geworden. Das Fuchsfell hört auf den Namen "Ferdinand" (nach einem Lied von Feuerschwanz) und war früher mal der Kirchgangsschal von Rakas Uroma. Das genaue Alter ist unbekannt, es sind aber definitiv mehr als 80 Jahre - fast schon authentisch ;)

Die Borte zeigt (um bei der Musik zu bleiben - was erwartet man denn auch von unserer Lager-Pfeife^^) den ersten Merseburger Zauberspruch als kammgewebte Runeninschrift aus mit Krapp und Zunderschwamm gefärbter Wolle. Sally ist ganz glücklich damit, Raka grummelt immer noch über Ungenauigkeiten beim Weben und schiefes Annähen...


Und da Sally auch noch etwas zu tun brauchte während Raka webte und nähte, befindet sich jetzt ein Teil der Rotholz-"Zuckerwatte" auf der Spindel... Schöner und weniger knallig wird die Farbe durch's Verspinnen leider auch nicht, aber vielleicht hilft ja das geplante verzwirnen mit schwarz oder dunkelbraun.

Eigentlich sollte...

...mein erstes Nadelprojekt eine Mütze werden, aber aller Anfang ist schwer und so habe ich ganz spontan ein Aufbewahrungs - "Schälchen" gefertigt ;)


Das nächste Mal wird es garantiert eine Mütze!

Chrissi

Mittwoch, 20. April 2011

Buchrezension: Ostpreußische Jostenbänder

Viele würden wahrscheinlich sagen, "6,95€ für 32 Seiten ist einfach zu viel" - und vielleicht hätten sie auch recht. Ich finde aber, dass sich das Buch "Ostpreußische Jostenbänder" von Irene Burchert trotzdem gelohnt hat. Für den Umfang stellt es erstaunlich viele Musterbriefe für Bänder mit einfachen Musterfäden zusammen. Die Musterbreite variiert zwischen 9 und 25 Fäden, die meisten der Muster sind von alten Bändern abgezeichnet. Auch die Randgestaltung (bzw der komplette Einzug) inklusive der verwendeten Farben sind genau angegeben, allerdings ist es etwas gewöhnungsbedürftig, dass immer nur die Reihenfolge ("zwei rot, drei weiß, fünf grün") statt einer Skizze angegeben ist.

Insgesamt sind 12 Bänder mit Musterfäden und 7 mit einfachem Einzugsmuster enthalten, dazu ein nicht ganz vollständiger Satz Buchstaben und Zahlen. Das mag auf den ersten Blick wenig erscheinen, wenn man aber bedenkt, dass in einigen der Bänder 25 oder mehr Muster enthalten sind, bietet das bei einem Aufteilen der Muster (wie ich es ja ganz gerne mache, mit 1-3 Mustern pro Band) doch ziemlich viel Variationsmöglichkeit.

Bei einigen Mustern und zwei Arten der Randgestaltung war mein erster Gedanke "boah, klasse, das will ich auch mal weben!" - mir juckt es in den Fingern, da mal einiges auszuprobieren. Leider müssen aber vorher noch zwei, drei andere Bänder fertig...

Was mich ein bisschen stört: Die Muster scheinen auf Karopapier per Hand skizziert und eingescannt worden zu sein, und insbesondere bei einem Band mit ca 50 Mustern (Seite 15) sind sie relativ schwer zu erkennen und sollten wohl, bevor man sie nachwebt, am besten vorher abgezeichnet werden.

Zusätzlich zu den Musterbriefen gibt es eine kleine Einführung mit grundlegenden Informationen zur Verbreitung der Jostenbänder in Ostpreußen und dazu, wie die Autorin zur Jostenband-Weberei gefunden hat - zweiteres meiner Meinung nach relativ sinnfrei. Der dreiseitige Abriss zur allgemeinen Geschichte der Bandweberei (Litzen, Kämme, Brettchen) ist zwar ganz interessant und bietet eine ganz nette Einführung, insgesamt bin ich aber der Meinung, dass man diese ganzen "Hintergrundtexte" vielleicht doch durch zusätzliche Musterbriefe hätte ersetzen können.

Ich denke, dieses Buch ist am ehesten für Leute geeignet, die schon ein paar Musterfaden-Bänder gewebt haben und auf der Suche nach Musterbriefen sind. Für vollständige Neueinsteiger (insbesondere solche, die noch nicht einmal Einzugsmuster probiert haben) sind die kurzen Erklärungen, wie man mit den Musterfäden webt, wahrscheinlich nicht sonderlich erleuchtend. Wer bereits dutzende verschiedene Muster gewebt hat und eher auf der Suche nach anderen Mustertechniken ist, ist hier ebenfalls falsch, da einzig und allein Bänder mit einfachen Musterfäden gezeigt werden. Wer sich aber relativ am Anfang der Musterweberei befindet, findet hier eine ziemlich gute Quelle für neue Muster und Gestaltungsmöglichkeiten.

Beispiele für die enthaltenen Muster folgen in den nächsten Wochen, wenn die momentanen Auftragsarbeiten vom Kamm sind.

Raka

Samstag, 16. April 2011

Drahtversuche

In den letzten Tagen hab ich mich mal mit nem bißchen Kupferdraht beschäftigt, und es ist dabei sogar wirklich etwas brauchbares rausgekommen. Ich hab jetzt zwar grad keine Ahnung wie sich diese Technik nennt, aber ich hab sie bzw die Armbänder und Ketten schon öfters auf diversen Märkten gesehen. Soll soweit ich weiß wohl irgendwas Wikimäßiges sein.. Auf jeden Fall bin ich bei meinen letzten Versuchen damit schon immer direkt am Anfang gescheitert. Warum es dann diesmal doch geklappt hat: keine Ahnung^^

Dieser Versuch ist auf jeden Fall lang genug für ein Armband, auch wenn man den doch zugegebenermaßen etwas unschönen Anfang großzügig entfernt. Die Übergänge der einzelnen Drahtstücke muss ich noch irgendwie anders verbinden, dass meine Methode die falsche war hab ich leider erst am Schluss festgestellt. Aber ich denke doch mal grad so als erster erfolgreicher Versuch ist das Armband doch eigentlich echt gut geworden, oder?

Sally